Posts Tagged: Englische Belletristik


3
Apr 10

[Belletristik] Cliffhanger – Tim Binding

Es klang ganz einfach.
»Audrey«, sagte ich. »Audrey, wie wär’s, wenn wir ein bisschen rausgehen, einen Spaziergang machen?«
»Bei dem Wetter?«
»Uns ein bisschen den Kopf durchpusten lassen«, sagte ich, während ich mir die Schuhe anzog, und sie zuckte die Achseln und sagte: »Wieso nicht?«
Weil ich dich von der Scheißklippe stoßen werden, Audrey, deshalb nicht.

Image of Cliffhanger: Roman

Schräg und böse – very british
Al Greenwood will seine Frau umbringen. Gute Gründe dafür nennt er reichlich: „keine Streitereien mehr über dies und das, kein Töpfescheppern mehr, keine kalte Schulter mehr nach einer Sauftour, wenn ein Mann horizontale Gedanken kriegt.“ Scheidung zwecklos – Mord muss her.

Al und seine Frau Audrey wohnen in einer Bungalow-Siedlung nahe Wareham, wo es einen Bäcker gibt, einen Taxifahrer (nämlich Al) und einen Ein-Mann-Polizeiwache von Police Constable Hühneraugenpflaster. Es gibt zwei rivalisierende Familien, die Stokies und die Travers „die über den Ärmelkanal rudern würden, um sich gegenseitig ertrinken zu sehen.“ Und darüber hinaus gibt es eine Klippe, die sich förmlich aufdrängt, verhasste Ehefrauen ins Jenseits zu befördern. Nur ein Problem hat Al bei seinem Vorhaben, seine Frau muss mitziehen. Wie schafft er das? Klar, in dem er sie auf britisch ordinäre Art provoziert. Audrey rennt wütend aus dem Haus und Al folgt ihr. Er weiß, dass sie zum Kliff geht. Und so erstaunt es ihn nicht so oben anzutreffen und seinen Plan umzusetzen. Umso erstaunter ist er jedoch, als er nach Hause kommt und sie lasziv räkelnd vor dem Kamin antrifft. Voll in Fahrt und bereit für ein nettes kleines Schäferstündchen. Tja, und dann beginnt das Chaos: wen hat er über die Klippen gestoßen, wenn nicht seine Frau? Wo war seine Frau, wenn nicht auf dem Kliff? Und was ist mit seiner unehelichen Tochter Miranda geschehen, die just zum Zeitpunkt des vermeintlichen Mordes an seiner Frau verschwindet? Al ist völlig überfordert…

Al ersäuft in seinem hausgemachten Mord-Schlammassel. Wir treffen auf eine Schar durchgeknallter Nebenfiguren mit verrückten Motiven und insgesamt ist alles recht bizarr. Besonders die Nachbarin, Alice Blackstone – alias Mrs. Schnüffelnase -, eine begnadete Kifferin, ist unschlagbar.

Steckt man die erheblichen Obszönitäten Al seiner Frau gegenüber am Anfang weg, geht es fast schon harmlos weiter zur Sache. Spannend daran ist, dass ausnahmsweise hierbei nicht der Täter, sondern das Opfer gesucht wird. Al versucht natürlich erbittert herauszufinden, wen er da von den Klippen in den Tod gestoßen hat, wenn nicht seine Frau. Der Protagonist kommt dabei gar nicht mal so schlecht weg. Man könnte annehmen, er wäre ein mieser Sack. Aber nein, so einfach macht es uns Tim Binding nicht. Ganz im Gegenteil, es entwickeln sich sogar reizende Züge an Al, denen man zugunsten der Sympathie erliegt. Es ist auch nicht alles nur blödsinniger Klamauk. Man kann schon ganz gut erahnen, dass Binding die Spezies Mensch beobachtet und gekonnt auf die Schippe nimmt…

Es sind mitunter aberwitzige und skurrile Momente, die der Unterhaltung dienen. Die Ideen gehen dem Autor dabei tatsächlich nicht aus. Jede Menge Unsinn und jede Menge Spaß dabei. Aber äußerst gut ausgearbeitet und mitunter auch informativ – vor allem was die Karpfenzucht angeht. Miträtseln kann man auch noch.

Fazit
Ein Geschichte Marke „very british“. Skurril, böse, ja, auch vulgär, aber durchweg unterhaltend und gut gelaunt. Man sollte ein bisschen für den seltsam abgedrehten schwarzen Humor der Inselbewohner übrig haben. Nach den ersten drei Kapiteln ist eine Unterbrechung jedoch ärgerlich.

Weitere Besprechungen
Büchereule
wdr.de/Rezension von Christine Westermann
dradio
rezensionen.ch


Cliffhanger – Tim Binding
350 Seiten, TB, April 2010,
8,95 Euro,
Heyne


Weitere Bücher von Tim Binding
Henry Seefahrer
Im Königreich der Luft
Inselwahn
Sylvie und die verlorenen Stimmen


26
Feb 10

[Zeitgenössisch] Einfache Gewitter – William Boyd

Kurzbeschreibung
Ein Mann. Eine Zufallsbekanntschaft. Ein Aktenordner. Ein Toter.

Von einer Sekunde auf die andere muss Adam Kindred, angesehener Klimatologe, auf Durchreise in London, untertauchen. Jeder Weg zu seinem früheren Leben ist versperrt. Kontakt zur Familie nicht möglich, Kreditkarte und Mobiltelefon nicht zu benutzen, das Hotelzimmer außer Reichweite.

Nur Stunden zuvor hatte er in einem kleinen italienischen Restaurant in Chelsea Philip Wang kennengelernt, Chef-Entwickler des Pharmakonzerns Calenture-Deutz. Als er ihn wenig später in seinem Appartment aufsucht, um einen vergessenen Ordner vorbeizubringen, findet er einen sterbenden Mann vor. In Panik flieht Adam, alle Indizien weisen auf ihn. Er versteckt sich auf Brachland nahe der Themse und muss nun, wie tausend andere in London, im Untergrund, im Verborgenen leben. Schnell hofft er seine Unschuld zu beweisen, doch ahnt er nicht, welchen Mächten er gegenübersteht.

William Boyd erzählt die Geschichte eines Mannes, dem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Er erzählt, welche Kräfte jemand entwickelt, dem alles genommen ist, und welch unerwartete Wege sich in düsterer Stunde auftun. Ein Roman über die Zerbrechlichkeit unserer Identität, in dem Boyd einmal mehr sein großes Können entfaltet. Und wie bei Ruhelos fasziniert er auch hier durch glänzend recherchierte Hintergründe, Glaubwürdigkeit und ein hohes Maß an Authentizität.

Gute Unterhaltung -mysteriöse Genrezuordnung
Identität und Identitätsverlust scheint dieser Tage ein beliebtes Romanthema zu sein. So auch bei William Boyd und seinem aktuellen Roman „Einfache Gewitter“, mein erstes (Hör)Buch übrigens von diesem Autor.

Das Buch wird momentan in den Spannungsecken der Buchhandlungen bzw. in den Krimi/Thriller-Ecken der Online Buchhandlungen verkauft. Wie es dazu kommt, keine Ahnung. Ich könnte mir vorstellen, dass es ob dieser Zuordnung schon den ein oder anderen unzufriedenen Leser gegeben haben mag. Klar, es wird gemordet, es wird gejagd, aber alles recht vorhersehbar und nervenschonend. Ich darf das behaupten, weil ich prinzipiell aufgrund zu schwacher Nerven das Thriller-Genre meide – nicht nur aus diesem Grund, aber mitunter.

Was bietet dieser Roman? Nun, einen guten Einblick in die Londoner Untergrund- und Bettlerszene sicherlich. Aber auch eine kleine Vorstellung davon, wie schwierig es ist, heutzutage einfach abzutauchen, seine Identität abzulegen. Von heute auf morgen den Verlust des eigenen Hintergrundes und eine Neuorientierung in eine Richtung, die im Optimalfall nur eine große Verschlechterung der Lebenssituation darstellt, im Normallfall jedoch ein Kampf ums Überleben bedeutet. Daneben wartet Boyd mit interessanten Figuren auf. Leider bleibt aber auch kein Klischee auf der Strecke, insbesondere was die „bösen Buben“ aus den osteuropäischen Ländern, die in den Londoner Untergrund abtauchen, angeht.

Viel Neues wird nicht geboten. Dubiose, politisch weitreichende, Machenschaften in der Pharmaindustrie sind keine Überraschung. Die Auflösung, sofern von Auflösung überhaupt gesprochen werden kann, ist keine Auflösung, da von vornherein ersichtlich. Als Thriller funktioniert die Geschichte nicht. Keine rasanten Actionszenen, keine überraschenden Wendungen – ganz im Gegenteil, die Jagd läuft mehr als gut aus Adam Kindreds Sicht des Gejagden, und keine falschen Fährten.

Was William Boyd zweifellos kann, ist gut erzählen. Seine Figuren sind zwar nicht in der Tiefe ausgearbeitet, aber sie sind wunderbar „Gut“ und „Böse“ und manchmal auch ein bisschen zwischendrin (so z.B. die Prostituierte, in die sich Adam Kindred ein bisschen verliebt). Die Dialoge wirken zwar hin und wieder recht aufgesetzt (besonders die Unterschicht mit den Migranten, oder bei Jonjo, dem Ex-Soldat und Berufskiller), aber wahrscheinlich ist das die notwendige Portion Authenzität aus Boyds Sicht.

Ich habe mich auf die Geschichte eingelassen und wurde auf rein unterhaltender Ebene nicht enttäuscht. Bis zum Schluss habe ich dem Sprecher gebannt zugehört. Rückblickend bin ich zwar über den Schluss enttäuscht, aber das wusste ich zum Zeitpunkt des Hörens ja nicht…

Was die Genrezuordnung angeht ist es weder Fisch noch Fleisch. Für eine Einordnung ins zeitgenössische Genre hat es meines Erachtens nicht genug Substanz, für einen Thriller bietet es zu wenig Rasanz und/oder Spannung. Gewünscht hätte ich mir einen „runderen“ Plot mit einem adäquaten Abschluss oder aber eine differenziertere Gesellschaftsstudie.

Die Lesung selbst war makellos. David Nathan besitzt eine angenehm ausdrucksstarke Stimme, mit der er Persönlichkeiten gekonnt in Szene setzt und eine optimale Atmosphäre erzeugt. Besonders das gesprochene Herantragen des unterkühlten Milieus der Shaft-Bewohner hat mich beeindruckt. Wirklich gut. Es hat großen Spaß gemacht ihm zuzuhören. Langweiligen Autofahren wurde damit das Garaus gemacht.

Fazit
Was immer es auch wirklich sein soll, als Hörbuch funktioniert es wunderbar und bietet beste Unterhaltung. Als netten Zeitvertreib kann ich es nur empfehlen! Ganz im Gegensatz zu meiner Erwartung (nach den Kritiken zu Ruhelos) allerdings keineswegs anspruchsvoll.


Einfache Gewitter – William Boyd
7 Std. 39 Min., 2010, Audible Download,
Sprecher: David Nathan

Weitere Besprechungen

Weitere (Hör)Bücher von William Boyd
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5
Feb 10

[All-Time-Favourites] Das Intimleben des Adrian Mole 13 3/4 – Sue Townsend

Das Intimleben des Adrian Mole... Inhalt
Adrian Mole ist ein ganz normaler Jugendlicher und so hat er auch die ganz normalen, altersbedingten Träume und die ganz normalen, altersbedingten Probleme: Pickel, Schule und Mädchen. Mal altklug, mal Herz erfrischend naiv kommentiert er aus der Sicht des Heranwachsenden die – für seine Begriffe – reichlich verworrene und undurchschaubare Erwachsenenwelt. Nicht nur die Beziehung seiner Eltern ist ihm manchmal ein unerklärliches Rätsel, unbegreiflich ist ihm auch, wie der Rundfunk seine Gedichte ablehnen kann. So sind Adrians Gefühle wie ein Jojo in einem ständigen Auf und Ab begriffen. Da sind ihm weder sein 39 Jahre alter, Kette rauchender Kumpel Bert, seine vierzehn Jahre alte Freundin, noch sein bester Freund Nigel eine große Hilfe. Nein, Adrian sieht sich als missverstandener Intellektueller und allein gelassen im Kampf gegen eine uneinsichtige, unsensible Umwelt …

“1. Januar Donnerstag Neujahr

Im neuen Jahr werde ich:
1. den Blinden über die Straße helfen,
2. meine Hosen über den Bügel hängen,
3. meine Platten wieder in die Hülle stecken,
4. nicht mit dem Rauchen anfangen,
5. nicht an meinen Pickeln herumdrücken,
6. den Hund gut behandeln,
7. den Armen und Unwissenden helfen,
8. niemals einen Tropfen Alkohol anrühren. Das habe ich mir geschworen, nachdem ich gestern nacht meine Eltern beduselt erlebt habe – wie entwürdigend!

Bei der gestrigen Party hat der Vater den Hund mit Weinbrand vollaufen lassen. Wenn das der Tierschutzverein wüßte, könnte er was erleben! Seit Weihnachten sind acht Tage vergangen, doch Mutter aht die grüne Lurex-Schürze, die ich ihr geschenkt habe, immer noch nicht umgehabt. Nächstes Jahr bekommt sie Badesalz.
Natürlich muss ich ausgerechnet am ersten Tag des neuen Jahres einen Pickel am Kinn bekommen.”

[Erster Tagebucheintrag]

Sympathischster Verlierer-Typ des Universums!
Ein Buch, das man mit fünfzehn das erste Mal mit großer Begeisterung gelesen hat, mit dreißig das zehnte Mal und mit mindestens genauso großer Begeisterung liest – das kann nur eines der besten Bücher überhaupt sein!
In Tagebuchform, aus Sicht des Adrian Mole natürlich, wird hier die Thatcher-Ära der 80-er Jahre ohne Unterlass auf’s Korn genommen. Und zwar derart, dass auch Jugendliche bzw. Menschen ohne Kenntnisse der politischen Vorgänge dieser Zeit verstehen dürften was “Gut” und “Böse” ist.

Im Kern selbst ist die Story nicht lustig. Aber wie so oft erzeugt dies die Lacher. Adrian ist ein völlig orientierungsloser Pubertierender, der in einem eher asozialen unkonventionellen Umfeld aufwächst. Ihm geht es eigentlich nicht sehr gut. Er macht sich Sorgen über sein Aussehen (Pickel), über die Größe seines Penises (Lineal muss her…) und über seine soziale Herkunft und die ihm versperrten Möglichkeiten. Seine Eltern versaufen das Geld lieber als das sie ihm ordentliche Sportkleidung für den Unterricht besorgen und er muss sich einigen Mobbing-Attacken von Schulkollegen stellen. Wie er dies macht bzw. wie er dies beschreibt ist selbstverständlich nicht entsetzend, sondern zum Lachen, denn Adrian bemitleidet sich nicht selbst. Also, doch, eigentlich schon, aber auf eine sehr neutrale Art und Weise. Bis Adrian versteht was ihm widerfährt ist es schon vorbei. Und im Nachhinein betrachtet man die Dinge ja immer etwas nüchterner – er ist schließlich auch hochintellektuell und betrachtet sämtliche Umstände aus einer weisen Distanz… Was soll er auch sonst machen als intellektueller Geist zwischen einem arbeitslosen Versager-Vater und einer trinksüchtigen Mutter, die die Hilfe des lieben Nachbarn für seinen Geschmack manchmal “zu häufig und zu intensiv” in Anspruch nimmt?

Adrian stapft tapfer von einem Fettnäpfchen ins nächste und es ist ein Genuss ihm dabei zuzuschauen. Darüber hinaus aber nimmt er aber auch auf seine herrlich naive Art an der politischen Entwicklung seines Landes teil. Er hat zwar überhaupt keine Vorstellung davon, was die Aktivitäten der Eltern seiner Freundin “Pandora”, die mächtig einen Sprung in der Schüssel hat, bewirken, aber er schreibt sehr unterhaltsam darüber und deutet sie zumindest im Ansatz positiv.

Die Autorin überspitzt natürlich maßlos und fühlt dabei den Schwächen des politischen Systems mächtig auf den Zahn. Sie ist in England weit bekannt für ihre Kritik an der Klassengesellschaft und der Monarchie. Margaret Thatchers Wirtschaftspolitik hatte schlimme Auswirkungen im Land: Massenarbeitslosigkeit, Armut, Zerfall der Gesellschaft in eine “Zweiklassengesellschaft” mit politisch gewollter Hinnahme der Ungleichheit, mangelnde Toleranz, Ignoranz dagegen im Überfluss…
Alles, was kritisch zu beäugen ist, beäugt die Autorin kritisch, immer mit Fokus auf Absurditäten der Gesellschaft. Und Durch Adrian Moles Augen. Sicher, das ein oder andere Malheur darf da nicht fehlen und der Humor schon gar nicht, aber nichtsdestotrotz sind die Botschaften, die hinter diesen Einträgen stecken sehr deutlich und furchtlos. Ihrer maßlosen Verachtung gegenüber dem politischen System lässt Sue Townsend freien Lauf. Einige Thatcher-Szenen dürften zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches sicherlich nicht bei allen Lesern Freude hervorgerufen haben…
Alle bedeutenden politische Ereignisse dieser Zeit finden übrigens auch einen Platz in Moles Tagebüchern.

Sue Townsend trifft folgende Aussage zu ihrer Motivation die Bücher zu schreiben, die sie schreibt:

Ich denke, wenn die Menschen lachen, und sie lachen gerne, achten sie auch auf das, was hinter dem Lachen steckt. Das Kunststück besteht also darin, auch ernste Themen mit Humor zu behandeln, Komik nicht außer Acht zu lassen, wenn es ernst wird – das soll die Leser herausfordern und sie sensibilisieren. Ich nenne diese Art der Schreibe “serious comedy”. Darum geht es mir, dieses Genre liegt mir am Herzen.
[Quelle: sueddeutsche.de: Interview mit Sue Townsend ]

Fazit
Was soll ich sagen? Dieser erste Teil gehört meiner Meinung nach zu den besten Jugendbüchern, die es zum Thema “politische Kritizität” gibt. Das Adrian die gleichen Höhen und Tiefen durchlebt wie fast jeder Pubertierende in seinem Alter, dürfte auch seinen großen Erfolg in Deutschland erklären. Der Wiedererkennungseffekt ist recht hoch und herrlich belustigend. Ein Buch, dass tief verwurzelte Fehlzustände aufzeigt und gesellschaftskritische Grundsätze vermittelt. Und das sicher nicht nur für Jugendliche – unbedingt lesen!


Das Intimleben des Adrian Mole 13 3/4 – Sue Townsend
410 Seiten, Goldmann,
ISBN 3442101638, 8,50 Euro


Weitere Besprechungen


Weitere Informationen


Die Reihe um Adrian Mole

  • Das Intimleben des Adrian Mole 13 3/4. Die geheimen Tagebücher erstmals komplett und unzensiert vollständig in einem Band
  • Die Cappucino-Jahre
  • Adrian Mole und die Achse des Bösen
  • Die verschollenen Tagebücher des Adrian Mole

Die Reihe um Adrian Mole (Englisch)

  1. The Secret Diary of Adrian Mole Aged 13 ¾
  2. The Growing Pains of Adrian Mole
  3. True Confessions of Adrian Albert Mole
  4. Adrian Mole – The Wilderness Years
  5. Adrian Mole – The Cappuccino Years
  6. The Weapons of Mass Destruction
  7. The Lost Diaries Of Adrian Mole 1999 – 2001
  8. Adrian Mole – The Prostrate Years

Weiter Bücher von Sue Townsend

Krieg der Schnecken
Price:

10 used & new available from EUR 0,54

Queen Camilla
Price: EUR 8,95

102 used & new available from EUR 0,74

Downing Street Number 10: Roman
Price:

15 used & new available from EUR 1,21



27
Jan 10

[Belletristik] Zwei an einem Tag – David Nicholls * * *

“Ich glaube, das Wichtigste ist, irgendetwas zu verändern”, sagte sie. “Du weißt schon, wirklich zu verbessern.”
“Wie meinst du etwa ‘die Welt verbessern’?”
“Nicht gleich die ganze Welt. Nur das kleine Stück um dich rum.”

Zwei an einem Tag Der neue Roman von David Nicholls stellt einen Tag, den 15. Juli, und zwei eigentlich füreinander bestimmte Menschen, die es nur noch nicht wissen, in den Mittelpunkt. Er besticht nicht nur durch Situationskomik, sondern auch durch die genaue Darstellung des Allzumenschlichen »Gerade stelle ich mir dich mit 40 vor!« doch in dieser Nacht, am 15. Juli 1998, sind Emma und Dexter noch zwanzig, haben sich bei der Abschlussfeier kennengelernt, die Nacht zusammen durchgemacht, am nächsten Morgen gehen beide ihrer Wege. Wo werden sie an genau diesem Tag ein Jahr später stehen? Und wo in all den darauffolgenden Jahren? Und werden sich die beiden, die einander niemals vergessen können und deren Wege sich immer wieder kreuzen, weiterhin immer gerade knapp verpassen oder können sie sich selbst und dem anderen irgendwann eingestehen, dass sie trotz aller markanten Unterschiede füreinander bestimmt sind? Während zwanzig Jahren nimmt David Nicholls jeweils den 15. Juli ins Visier, zeigt, wie Emma und Dexter ihren Weg suchen, reisen, lieben, ausprobieren, sich aber nie aus den Augen verlieren.

Meine Begeisterung hält sich in Grenzen…
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Emma, eine äußerst intelligente junge Frau, und Dexter, ein sehr gutaussehender junger Mann und Womanizer. Em und Dex verbringen den letzten Tag ihres Collegedaseins miteinander und schwelgen in Erwartungshaltungen der Zukunft gegenüber. “Wie wirst du wohl mit 40 sein?”, ist eine der Fragen, die sie sich gegenseitig stellen.

Dexter ist ein Aufreißer-Typ, der nach “Höherem” strebt. Er möchte berühmt werden oder zumindest bekannt und in aller Munde sein. Er wird erst einmal durch die Welt reisen, seine Hörner abstossen und erforschen, was die Welt denn so kostet. Emma dagegen ist eine besonnenere Figur. Vernünftig, weniger abenteuerlustig, möchte sie ihre Zukunft langsam angehen. Letztendlich landet sie – mit einem Doppel-Einser-Abschluss – erst einmal in einem mexikanischen Restaurant als Servicekraft.

Die erste Frage, die sich mir stellte, war der Sinn dieser Beziehung. Beide Charaktere sind im Grundsatz schon so verschieden von ihren Einstellungen her, dass es mir nicht verständlich erscheint, wie Emma auf Dex und Dex auf Emma “stehen” könnte. Dexter war und blieb mir lange völlig fremd. Abgehoben, das Klischee vom verwöhnten Söhnchen vermittelnd, hatte ich keinen Grund mich weiter für ihn zu interessieren. Und tatsächlich geht es in seinen Gedankengängen zu 90% um Frauen, Sex, Alkohol und Drogen. Trifft er mit Emma zusammen, geht es oftmals nur darum. Wie kann er nur, warum macht er das, warum ist er so oberfläch usw. Die Thematik hat mich stellenweise extrem gelangweilt.

Image of Zwei an einem Tag

Emmas Entwicklung hingegen ist spannender. Ihre Figur reift mit der Zeit und bekommt deutliche Züge, so dass es spannend in jeder Hinsicht bleibt, wie sie sich weiterentwickelt. Ich persönlich finde, hier breitet sich Nicholls Talent zu Erzählen vollständig aus. Hier fühlte ich mich der Figur nah; ich litt, freute und ärgerte mich mit ihr.

Ich habe diese Geschichte weniger als Liebesgeschichte empfunden. Es wird weit mehr thematisiert, zumal es bis über die Hälfte hinaus gar nicht so erscheint, als ob Emma und Dexter unbedingt ein Paar sein müssten. Sie machten als Freunde auf mich einen wesentlich besseren Eindruck.

Nicholls verschont uns erfreulicherweise in Sachen Herzschmerz und Drama. Er besitzt die Gabe eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und das Leben mit Humor und Realistik zu zeichnen (nicht immer realistisch, aber überwiegend…). Keine Aktivierung der Tränendrüsen und keine überflüssigen Floskeleien.

Aber, es ist immernoch eine Geschichte mit Schwächen. Warum muss Dexter so extrem in das Klischee des “Möchtegerns” fallen? Warum muss Emma stets um alles ein bisschen mehr kämpfen? Warum sind die zwei eigentlich nicht zusammen? Warum muss der Leser seitenweise Dexters Alkohol- und Drogenexzesse ertragen? Warum muss Emma sich stets so viel ärgern? Und warum… na ja, Schwamm drüber.

Wenn man von den Standard-Drehbuch-Figuren, der teilweise schlecht nachvollziehbaren Motivation der handelnden Figuren und den doppelt und dreifach Schilderungen der Dexter-Exzesse absieht, bietet die Geschichte alles in allem gute Unterhaltung.

Fazit
Insgesamt sticht dieses Buch aus der Menge der Unterhaltungsromane rund um Beziehung und Freundschaft heraus. Es ist feinfühlig, auf eine unsentimentale Weise, besticht durch unterhaltsame Schlagabtäusche und vor allem frei von Kitsch. Von ein paar Schwachstellen abgesehen, die oben nachzulesen sind, ein gutes Buch in meinem Sinne.


Zwei an einem Tag – David Nicholls
560 Seiten, Kein & Aber Verlag
2009, Gebunden, 22,90 Euro

Weitere Besprechungen

Weitere Informationen


Bücher von David Nicholls im Überblick

Zwei an einem Tag
Price: EUR 22,90

72 used & new available from EUR 11,00

Keine weiteren Fragen: Roman
Price: EUR 8,95

30 used & new available from EUR 2,90

Ewig Zweiter
Price: EUR 19,90

67 used & new available from EUR 6,51


1
Jan 08

[Gute-Laune] Die Mütter-Mafia – Kerstin Gier

1. Teil der Mütter-Mafia Reihe

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Kurzbeschreibung
Deutschland sucht die Super-Mami!
Es gibt sie, die perfekten Mamis und Bilderbuch-Mütter, die sich nur über Kochrezepte, Klavierlehrer und Kinderfrauen austauschen. Doch eigentlich sind sie der Albtraum jeder Vorstadtsiedlung. Dagegen hilft nur eins. Sich zusammenrotten und eine kreative Gegenbewegung gründen: die “Mütter-Mafia”! Ab jetzt müssen sich alle braven Muttertiere warm anziehen …

Ich mag keine “Frauenromane” – wirklich wahr. Aber wer selbst Mutter ist, sich den ganzen Schnadderadatz um die Kiddies nicht mehr anhören kann und ständig schief beliebäugelt wird, weil berufstätig mit Kind, der verpasst großartige Unterhaltung mit Kerstin Giers Reihe um die Mütter-Mafia!
Hier wird einfach mal hemmungslos mit den vermeintlichen Super-Mamis der Nation abgerechnet. Klar, völlig überzogen, völlig unkritisch, aber umwerfend komisch und bestens geeignet um die gute Laune wieder herzustellen.

Die beste Zeit für diese Bücher: harte Arbeitstage, lange Autofahrten, Erkältungstage, die im Bett verbracht werden oder auch einfach zum Abschalten an einem verregneten Sonntagnachmittag (sofern es die Familie zulässt).


Die Mütter-Mafia – Kerstin Gier,
320 Seiten, TB, 7,99 Euro
Bastei Lübbe Verlag

Besprechungen
Büchereulen Forum
Leselust Blog
LeseLustFrust
LiteraturBlog
Buchwurminfo
Elfenzauber

2. Teil der Reihe – Die Patin
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Wer sagt denn, dass der Pate immer alt, übergewichtig und männlich sein und mit heiserer Stimme sprechen muss? Nichts gegen Marlon Brando, aber warum sollte der Job nicht auch mal von einer Frau gemacht werden? Einer Blondine. Mit langen Beinen. Gestählt durch die Erziehung einer pubertierenden Tochter und eines vierjährigen Sohnes. Und wahnsinnig verliebt in Anton, den bestaussehenden Anwalt der Stadt. Constanze ist „die Patin“ der streng geheimen Mütter-Mafia. Gegen intrigante Super-Mamis, fremdgehende Ehemänner und bösartige Sorgerechtsschmarotzer kommen die Waffen der Frauen zum Einsatz. Ein Angriff auf Ihre Lachmuskulatur.

3. Teil der Reihe – Gegensätze ziehen sich aus
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Was macht Frauen glücklich? Schokolade, die Kraft positiver Gedanken oder schöne Schuhe? ­- Mit der Boutique Pumps und Pomps kann die MÜTTER-MAFIA, die kreative Gegenbewegung zu allen Super-Muttis, sich bald alle Träume selbst erfüllen. Hier gibt es nicht nur traumhafte Stilettos, wunderschöne Stiefel und köstlichen Cappuccino, sondern auch die besten Tipps in Herzensangelegenheiten. Und die kann Constanze, genannt DIE PATIN, selber gut gebrauchen. Denn die Zukunftspläne ihrer ganz großen Liebe Anton passen leider so gar nicht zu ihren eigenen … Wie groß muss die Liebe sein, um mit anstrengenden Eltern, eifersüchtigen Töchtern und dem Wunsch nach mehr Nähe fertig zu werden?

Weitere Bücher von Kerstin Gier – Erwachsene
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Weitere Bücher von Kerstin Gier – Jugend

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