Posts Tagged: Deutscher Buchpreis


12
Sep 10

Sogar Papageien überleben uns – Olga Martynova

Der Zeitfluss, das Zeitflussweib, die Bergvogelfrauen
Klares Wasser eines Bergbaches eilt über die Steine. Ich schaue nach unten von der Brusthöhe einer Frau, die mich in ihren Armen hält, um mich hinüberzubringen. Die Frau tut keinen Schritt, sie steht einfach da in den auf den Wellen hüpfenden Sonnensplittern, knietief. Trotzdem sind wir nach einer Weile am anderen Ufer. Nie fand ich heraus, wie das ging.” [1]

Inhalt
Marina stammt aus Petersburg und ist zu Besuch in Deutschland, wo sie bei einem Kongress über Daniil Charms und seinen Freundeskreis spricht.
Außerdem ist da ein Mann, der in Leningrad Russisch studierte und mit dem sie damals, vor 20 Jahren, eine Liebesgeschichte erlebte.
Die Vergangenheit ist nicht vergangen – und das gilt nicht nur für diese private Geschichte: “Ich habe Angst vor den Geheimnissen der Zeit.”
Ein ganzes Jahrhundert (und manchmal auch darüber hinaus) passiert in Marinas Assoziationen Revue, und nirgendwo sonst ist dieses letzte Jahrhundert vielfältiger, durch gewaltige Brüche im Sozialsystem fragmentierter gewesen als in Russland: vom Zarenreich über die Revolution, die Sowjetunion, die Weltkriege, die Belagerung Leningrads durch die Deutschen, die Perestrojka…

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Irgendwo las ich, dass man dieses Buch an jeder beliebigen Stelle aufschlagen und lesen kann. Dem ist wirklich so. Olga Martynova Roman besteht aus 88 mehr oder weniger kurzen Prosatexten, die fast vollständig unabhängig voneinander gelesen werden können. Der rote Faden ist die Beziehung Marinas zu ihrem deutschen Freund Andreas und der Dichterkreis um Daniil Charms.

Sogar die Papageien überleben uns ist eine ungewöhnliche Reise durch Zeit und Geschichte. Es handelt vom Zeitfluss, von Zeitflussweibern, von “Dingen, von früher” und “Dinge aus dem anderen Leben” und wirkt ein wenig selbstverliebt als Roman. Es braucht das ein oder andere Mal ein wenig Durchhaltevermögen um den Unsinn der Gedankenspiele zu druchschauen, aber insgesamt amüsieren die geistigen Achterbahnfahrten der Autorin.

“Wwedenskij sagte: Und überhaupt: Jede Beschreibung ist falsch. Der Satz: »Ein Mensch sitzt, über seinem Kopf ist ein Schiff« ist doch vielleicht richtiger als »Ein Mensch sitzt und liest ein Buch.«”

Es wäre falsch zu sagen (das habe ich in meinem Vortrag nicht mitgeteilt): Ich stehe in einem schattigen Hof. Neben mir steht ein deutscher Schauspieler. Ich warte, bis er sein Foto signiert hat. Nein. Ich stehe in einem schattigen Hof. Über meinem Kopf kauen die Kamele das dürftige Grün, das nicht einmal grün ist. Unter meinen Füßen hinter dem Schattengatter (-gitter?) staubt der gelbe Himmel der Wüste, der Andreas und mir vor fast zwanzig Jahren golden war.” [2]

Auch an den Gesprächen der Oberiuten (Charms und seine Dichterfreunde [3]), die “den Unsinn als Erkenntnisform gewählt haben, um die absurde Welt, in der sie zu leben hatten, besser zu verstehen”, die ähnliche (aber unterhaltsamere) Formen hatten, dürfen wir dank der Autorin teilhaben.

Der Roman ist sicherlich ein Exot unter den Nominierungen zum Deutschen Buchpreis. Vielleicht einen Hauch zu verspielt, zu wenig ernsthaft um in den Kreis der Shortlistnominierten aufgenommen zu werden. Olga Martynovas Sätze sind lang, verschachelt und bewusst konfus (mit zahlreichen gedanklichen Abschweifungen in Klammern versehen). Klammerung innerhalb von Klammerungen nicht ungewöhnlich bei Frau Martynova. Insgesamt macht es Spaß dieses Buch zu lesen, da es einfach anders ist und zum Mitdenken und Miträtseln auffordert. Ihren scherzig bissigen Tonfall setzt die Autorin mit Bravour ein.

Fazit
Die Kernaussage ist bei mir nicht so richtig angekommen, aber das Buch hat irgendwie etwas. Etwas, was Spaß macht . Eine lyrische Reise durch die Ereignisse des 20. Jahrhunderts in Russland. Ganz sicher nicht jedermans Geschmack.

Weitere Rezensionen
Büchereule
dw world
Die Zeit online
sf magazin

[1] Seite 1 (ersten Sätze)
[2] Seite 59
[3] Daniil Charms bei Wikipedia, Die Oberiuten bei Wikipedia


Die Autorin
Olga Martynova, 1962 bei Krasnojarsk geboren, wuchs in Leningrad auf, studierte russische Sprache und Literatur; 1991 zog sie nach Deutschland. Sie lebt mit ihrem Mann Oleg Jurjew in Frankfurt/Main.
Sie schreibt Gedichte (auf Russisch) und Essays und Prosa (auf Deutsch).


Image of Sogar Papageien überleben uns: Roman

Sogar Papageien überleben uns – Olga Martynova
199 Seiten,
Gebunden,
19 Euro



30
Nov 09

[dbp 2009] Du stirbst nicht – Kathrin Schmidt

“Der Roman erzählt eine Geschichte von der Wiedergewinnung der Welt. Silbe für Silbe, Satz für Satz sucht die Heldin, nach einer Hirnblutung aus dem Koma erwacht, nach ihrer verlorenen Sprache, ihrem verlorenen Gedächtnis. Mal lakonisch, mal spöttisch, mal unheimlich schildert der Roman die Innenwelt der Kranken und lässt daraus mit großer Sprachkraft die Geschichte ihrer Familie, ihrer Ehe und einer nicht vorgesehenen, unerhörten Liebe herauswachsen. Zur Welt, die sie aus Fragmenten zusammensetzt, gehört die zerfallende DDR, gehören die Jahre zwischen Wiedervereinigung und dem Beginn unseres Jahrhunderts. So ist die individuelle Geschichte einer Wiederkehr vom Rande des Todes so unaufdringlich wie kunstvoll in den Echoraum der historisch-politischen Wendezeit gestellt.”
[Begründung der Jury, Quelle: Website des Deutschen Buchpreises]

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Kurzbeschreibung
Vom Hirnschlag erwacht – die Geschichte einer Heilung

Helene Wesendahl weiß nicht, wie ihr geschieht: Sie findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Ihr Weg zurück ins Leben konfrontiert sie mit einer fremden Frau, die doch einmal sie selbst war. Kathrin Schmidt packt ihre Leser diesmal durch die Beschränkung, und zwar im wörtlichen Sinne. Mit den Augen ihrer erwachenden Heldin blicken wir in ein Krankenzimmer, auf andere Patienten, das Pflegepersonal und den eigenen Körper, der plötzlich ein Eigenleben zu führen scheint. Und wir erleben die mühsamen Reha-Maßnahmen mit, die Reaktionen der Familie, den aufopferungsvollen Einsatz ihres Mannes – und die bruchstückhafte Wiederkehr ihrer Erinnerung. Was da zutage tritt, konfrontiert Helene mit einem Leben, in dem sie sich kaum wiedererkennt, und das vieles in Frage stellt, was in der neuen Situation so selbstverständlich scheint. Sie entdeckt frühe Brüche in ihrer Biographie, verdrängte Leidenschaften und aus der Not geborene Verpflichtungen. Als ihr bewusst wird, dass ihr Herz sich bereits auf Abwege begeben hatte und sie den Mann, der sie jetzt so eifrig pflegt, eigentlich verlassen wollte, droht sie den Boden unter den Füßen zu verlieren. Kathrin Schmidt gelingt das Erstaunliche: Sie macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung, der in zwei Richtungen führt, zurück und nach vorn. Dabei entsteht ein Entwicklungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und durch die Rückhaltlosigkeit, mit der seine Heldin sich mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert, fasziniert. Er überzeugt vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neubeginns.

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Ich selbst habe das Buch bisher nicht gelesen, verlinke nachfolgend jedoch auf zahlreiche Quellen mit Besprechungen und freue mich auch über Kommentare zum Buch.

Kathrin Schmidts Buch hat sich gegen folgende Titel durchgesetzt (Amazon-Verlinkungen)
[avhamazon locale="DE" asin="3100484428" linktype="text" picsize="small"] – Reiner Merkel
[avhamazon locale="DE" asin="3446233911" linktype="text" picsize="small"] – Herta Müller
[avhamazon locale="DE" asin="3406590721" linktype="text" picsize="small"] – Norbert Scheuer
[avhamazon locale="DE" asin="3701715157" linktype="text" picsize="small"] – Clemens J. Setz
[avhamazon locale="DE" asin="3518421166" linktype="text" picsize="small"] – Stephan Thome

Besprechungen zum Buch
Büchereulen Forum, Perlentaucher, FAZ.NET, Die Leselust, Literaturkritik, aus.gelesen, kulturradio, poetenladen, Common Reader

Sonstige Informationen
Die Website zum Buch des Kiepenheuer & Witsch Verlages (inkl. Leseprobe und Autoreninfos)
Kathrin Schmidt bei Wikipedia

Weitere Bücher von Kathrin Schmidt
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30
Nov 09

[dbp 2008] Der Turm – Uwe Tellkamp

“Uwe Tellkamps großer Vorwenderoman ,Der Turm’ entwirft in einer Fülle von Szenen, Bildern und Sprachformen das Panorama einer Gesellschaft, die ihrem Ende entgegentaumelt. Am Beispiel einer bürgerlichen Dresdner Familie erzählt er von Anpassung und Widerstand in einem ausgelaugten System. Der Roman spielt in den verschiedensten Milieus, unter Schülern, Ärzten, Literaten und Politkadern. Uwe Tellkamp schickt seinen rebellischen Helden Christian Hoffmann auf eine Höllenfahrt, aus seiner Enklave in den Militärdienst bis zum Strafvollzug der NVA. Den Lesern erschließen sich wie nie zuvor Aromen, Redeweisen und Mentalitäten der späten DDR. Unaufhaltsam treibt das Geschehen auf den 9. November zu.”
[Begründung der Jury, Quelle: Website des Deutschen Buchpreises]

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Kurzbeschreibung
Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der »süßen Krankheit Gestern« der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze – oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der »roten Aristokratie« im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk »Ostrom«, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.

In epischer Sprache, in eingehend-liebevollen wie dramatischen Szenen entwirft Uwe Tellkamp ein monumentales Panorama der untergehenden DDR, in der Angehörige dreier Generationen teils gestaltend, teils ohnmächtig auf den Mahlstrom der Revolution von 1989 zutreiben, der den Turm mit sich reißen wird.

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Ich selbst habe das Buch bisher nicht gelesen, verlinke nachfolgend jedoch auf zahlreiche Quellen mit Besprechungen und freue mich auch über Kommentare zum Buch.

Uwe Tellkamps Buch hat sich gegen folgende Titel durchgesetzt (Amazon-Verlinkungen)
[avhamazon locale="DE" asin="3518461451" linktype="text" picsize="small"] – Dietmar Dath
[avhamazon locale="DE" asin="3442739071" linktype="text" picsize="small"] – Sherko Fatah
[avhamazon locale="DE" asin="3442739764" linktype="text" picsize="small"] – Iris Hanika
[avhamazon locale="DE" asin="3423138300" linktype="text" picsize="small"] – Rolf Lappert
[avhamazon locale="DE" asin="3423138769" linktype="text" picsize="small"] – Ingo Schulze

Besprechungen zum Buch
Büchereulen Forum, Perlentaucher, Die Zeit online, FAZ.NET, Liisas Litblog, Literaturkritik, Dieter Wunderlich

Sonstige Informationen
Die Website zum Buch des Suhrkamp Verlages (inkl. Leseprobe und Autoreninfos)
Uwe Tellkamp bei Wikipedia

Weitere Bücher von Uwe Tellkamp
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30
Nov 09

[dbp 2007] Die Mittagsfrau – Julia Franck

“Vor dem Hintergrund zweier Weltkriege erzählt Julia Franck die verstörende Geschichte einer Frau, die ihren Sohn verlässt, ohne sich selbst zu finden. Das Buch überzeugt durch sprachliche Eindringlichkeit, erzählerische Kraft und psychologische Intensität. Ein Roman für lange Gespräche.”
[Begründung der Jury, Quelle: Website des Deutschen Buchpreises]

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Kurzbeschreibung
Eine idyllische Kindheit in der Lausitz am Vorabend des ersten Weltkriegs, das Berlin der goldenen Zwanziger, die große Liebe: So könnte das Glück klingen, denkt Helene. Aber steht ihr die Welt wirklich offen? Helene glaubt unerschütterlich daran, folgt ihren Träumen und lebt ihre Gefühle – auch gegen die Konventionen einer zunehmend unerbittlichen Zeit. Dann folgt der zweite große Krieg, Hoffnungen, Einsamkeit – und die Erkenntnis, dass alles verloren gehen kann. Julia Franck erzählt in ihrem großen neuen Roman ein Leben, das in die Mühlen eines furchtbaren Jahrhunderts gerät, und die Geschichte einer faszinierenden Frau.

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Ich selbst habe das Buch bisher nicht gelesen, verlinke nachfolgend jedoch auf zahlreiche Quellen mit Besprechungen und freue mich auch über Kommentare zum Buch.

Julia Francks Buch hat sich gegen folgende Titel durchgesetzt (Amazon-Verlinkungen)
[avhamazon locale="DE" asin="3423138459" linktype="text" picsize="small"] – Thomas Glavinic
[avhamazon locale="DE" asin="3423137185" linktype="text" picsize="small"] – Michael Köhlmeier
[avhamazon locale="DE" asin="3596156254" linktype="text" picsize="small"] – Katja Lange-Müller
[avhamazon locale="DE" asin="3446209166" linktype="text" picsize="small"] – Martin Mosebach
[avhamazon locale="DE" asin="3442738350" linktype="text" picsize="small"] – Thomas von Steinaecker

Besprechungen zum Buch
Büchereulen Forum, Perlentaucher, Shakespeare and more, Die Leselust, Literaturkritik, Literatur Blog, Literaturgefluester, Dieter Wunderlich

Sonstige Informationen
Die Website zum Buch des Fischer Verlages (inkl. Lese- und Hörproben, Autoreninfos)
Julia Franck bei Wikipedia

Weitere Bücher von Julia Franck
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30
Nov 09

[dbp 2006] Die Habenichtse – Katharina Hacker

“Katharina Hackers Roman Die Habenichtse erzählt die Geschichte von Haben und Sein neu. Ihre Protagonisten sind in den Dreißigern, wissen alles und kennen doch eines nicht: sich selbst. Sie lassen sich treiben und sind gleichermaßen Getriebene. In einer flirrenden, atmosphärisch dichten Sprache führt Katharina Hacker ihre Helden durch Geschichtsräume und in Problemfelder der unmittelbarsten Gegenwart, ihre Fragen sind unsere Fragen: Wie willst du leben? Was sind deine Werte? Wie sollst und wie kannst du handeln? Die Qualität des Romans besteht darin, diese Fragen in Geschichten aufzulösen, die sich mit den plakativen Antworten von Politik und Medien nicht zufriedengeben”
[Begründung der Jury, Quelle: Website des Deutschen Buchpreises]

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Kurzbeschreibung
»Ich bin glücklich, wollte Jakob sagen, aber der Satz war wie ein Holzpüppchen, das man behutsam aufstellte und das sich doch nur einen Augenblick hielt, bevor es umkippte.« – Isabelle und Jakob treffen sich am 11. September 2001 nach Jahren auf einer Party in Berlin wieder. Sie verlieben sich, heiraten und bekommen die Chance, nach London zu ziehen, wo Jakob – Schicksal? Zufall? – eine Stelle in einer Anwaltskanzlei antritt, die eigentlich für einen Kollegen vorgesehen war, der bei den Anschlägen auf das World Trade Center umgekommen ist. Isabelle arbeitet von dort aus weiter für ihre Berliner Grafikagentur und genießt, in den spannungsreichen Wochen vor Ausbruch des Kriegs im Irak, ihr Londoner Leben. Die beiden haben alles, was ein junges, erfolgreiches Paar braucht – und stehen doch mit leeren Händen da. Sehnsüchtig und ratlos sehen sie zu, wie ihr Leben aus den Fugen gerät. Jakob ist fasziniert von seinem Chef, Isabelle von Jim, dem Dealer. Die untergründigen Ströme von Liebe und Gewalt werden spürbar, und das Nachbarskind Sara wird ihr Opfer. Wie das Weltgeschehen ins eigene Leben eingreift, wie sehr dabei die Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen oder mitzufühlen, kollidiert mit der Sehnsucht nach existentiellen Erfahrungen, das erzählt Katharina Hacker meisterlich. Sie erzählt von jenen Mittdreißigern, die alle Möglichkeiten und Handlungsfreiheiten haben, sich selbst und die Menschen in ihrer Umgebung aber nicht vor Unheil bewahren können.

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Ich habe das Buch begonnen, es jedoch nach ein paar Seiten wieder abgebrochen. Es ist ein sehr dröger, trockener Stil, indem Katharina Hacker erzählt. Zwar eine interessante neue Richtung, aber dennoch bleibt die Umsetzung recht emotionslos. In einer Besprechung der Süddeutschen Zeitung schreibt die Rezensentin Meike Fessmann, dass die Autorin nicht über ein “desorientiertes Buch über Desorientierung” hinaus gelange. Besser könnte ich es nicht formulieren. Vielleicht war es einfach nicht der richtige Zeitpunkt für diese Lektüre…
Ich freue mich natürlich über andere/gleiche Meinungen im Kommentarbereich.

Katharina Hackers Buch hat sich gegen folgende Titel durchgesetzt (Amazon-Verlinkungen)
[avhamazon locale="DE" asin="3442736846" linktype="text" picsize="small"] – Thomas Hettche
[avhamazon locale="DE" asin="3423135786" linktype="text" picsize="small"] – Ingo Schulze
[avhamazon locale="DE" asin="3442737621" linktype="text" picsize="small"] – Saša Stanišic
[avhamazon locale="DE" asin="3423135816" linktype="text" picsize="small"] – Ilija Trojanow
[avhamazon locale="DE" asin="3499246511" linktype="text" picsize="small"] – Martin Walser

Besprechungen zum Buch
Büchereulen Forum, Perlentaucher, Rezensionen.ch, Literaturkritik, Die Leselust, Dieter Wunderlich, Webcritics, Buch Blog, Bücherwurmloch

Weitere Bücher von Katharina Hacker
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30
Nov 09

[dbp 2005] Es geht uns gut – Arno Geiger

“Arno Geiger gelingt es, Vergänglichkeit und Augenblick, Geschichtliches und Privates, Erinnern und Vergessen in eine überzeugende Balance zu bringen. Es geht uns gut ist nach Überzeugung der Jury ein Roman, der ebenso genau wie leicht vom Gewicht des Lebens spricht.”
[Aussage der Jury, Quelle: Website des Deutschen Buchpreises]

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Kurzbeschreibung
Philipp Erlach hat das Haus seiner Großmutter in der Wiener Vorstadt geerbt, und die Familiengeschichte, von der er definitiv nichts wissen will, sitzt ihm nun im Nacken. Arno Geiger erzählt sie, als sei sie gegenwärtig: Von Alma und Richard, die 1938 gerade Ingrid bekommen und nichts mit den Nazis zu tun haben wollen. Vom fünfzehnjährigen Peter, der 1945 mit den letzten Hitlerjungen durch die zerbombten Straßen läuft. Von Ingrid, die mit dem Studenten Peter eine eigene Familie gründen will, und von Philipp, dem Sohn der beiden. Arno Geiger gelingt es, ein trauriges und komisches Jahrhundert lebendig zu machen.

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Ich selbst habe das Buch bisher nicht gelesen, verlinke nachfolgend jedoch auf zahlreiche Quellen mit Besprechungen und freue mich auch über Kommentare zum Buch.

Arno Geigers Buch hat sich gegen folgende Titel durchgesetzt (Amazon-Verlinkungen)
[avhamazon locale="DE" asin="3499241005" linktype="text" picsize="small"] – Daniel Kehlmann
[avhamazon locale="DE" asin="3746623421" linktype="text" picsize="small"] – Thomas Lehr
[avhamazon locale="DE" asin="3492249167" linktype="text" picsize="small"] – Gerd Loschütz
[avhamazon locale="DE" asin="3833304073" linktype="text" picsize="small"] – Gila Lustiger
[avhamazon locale="DE" asin="3518458221" linktype="text" picsize="small"] – Friederike Mayröcker

Besprechungen zum Buch
Büchereulen Forum, Perlentaucher, Die Leselust, Dieter Wunderlich, Literaturkritik, Poetenladen, Backlab, Buchkritik.at, Buchtips.net

Weitere Bücher von Arno Geiger
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