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Kurzbeschreibung
Adressat unbekannt, erstmals 1938 veröffentlicht, ist ein literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität. Gestaltet als Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtergreifung, zeichnet dieser kurze Roman in bewegender Schlichtheit die dramatische Entwicklung einer Freundschaft.
Die Kraft der Worte…
Das Vorwort von Elke Heidenreich scheint länger als der eigentliche Inhalt des Buches. Und trotzdem, diese 1938 veröffentlichte Geschichte um die Freundschaft eines Juden und eines Deutschen, die sich in Amerika kennen lernen, gemeinsam ein Geschäft eröffnen und dann getrennt werden, weil der Deutsche wieder nach Deutschland zieht, ist ein extrem starkes Stück.
Es beginnt sehr liebevoll. Der Deutsche kehrt im Jahr 1932 mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Die beiden Männer trauern um ihre Freundschaft, was sie sich in Briefen auch stets beteuern. Nach und nach jedoch beginnt sich der politische Wandel Deutschlands, die Nazifizierung, auch in den Kopf des Deutschen, Martin Schulse, festzusetzen. Und plötzlich wendet sich das Blatt. Aus wahrer Freundschaft wird wahre Feindschaft. Der Jude in Amerika muss hilflos miterleben wie sein ehemals bester Freund sich als Opportunist dem Mitläufertum hingibt und beginnt Dinge zu schreiben, wie
…aber du weißt, daß ich mit aller Aufrichtigkeit spreche, wenn ich sage, daß ich dir nicht wegen, sondern trotz deiner Rasse gewogen bin.
Es ist unbegreiflich, wie die Menschen diesen Hasstiraden gefolgt sind, nein viel schlimmer noch, sie für gut geheißen haben. Aber genau so, wie Kressmann Taylor es schon 1938 beschrieb, mag es sich vielfach zugetragen haben. Das erschreckende am Fall Martin Schulse ist jedoch, dass der politische Wandel wohl auch zahlreiche Menschen beeindruckte, denen es stets gut ging. Martin Schulse hat die Leiden der Nachwehen des ersten Weltkrieges nicht erlebt. Er war in Amerika, wohlhabend und weit entfernt vom Kriegsgeschehen. Demnach müsste man davon ausgehen, dass er Dinge differenzierter bewerten würde, als diejenigen, die aufgrund ihrer katastrophalen Lage nach jedem Strohhalm griffen, jeden Führer mit einem Strahlen aufgenommen hätten.
Auf nur knapp 60 Seiten bekommen wir ein äußerst pointiertes Bild davon, wie sich der Wahnsinn nicht schleichend, sondern rasend schnell im Kopf eines Mannes festsetzt und sein Werteverhalten komplett verändert. Dass der Jude letztlich seinen Freund Feind mit der eigenen Munition trifft, tröstet im Wissen um die Millionen Gequälten und Toten dieses Grauens leider nur bedingt.
Fazit
Ich neige nicht dazu pauschale Buchempfehlungen auszusprechen. Aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme. “Adressat unbekannt” ist ein sehr kurzes, sehr eindringliches und sehr wichtiges Buch, das an dieser Stelle mit Nachdruck empfohlen sei!
Achtung: Es sollte erwähnt werden, dass das Vorwort die gesamte Geschichte vorweg nimmt. Möchte man noch intensiver an das Geschehen heran kommen, empfiehlt es sich sehr, das Vorwort erst als Nachwort zu lesen!
Adressat unbekannt – Kressmann Taylor
61 Seiten, TB, 1938, 4,95 Euro,
Rowohlt Verlag
Weitere Besprechungen
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Inhalt
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