Aktuelle Bücher


9
Jan 10

Aktuell: Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe – nett und vorhersehbar

Rainer Moritz

Madame Cottard...

Er: Mittleres Alter, Single, in Paris wohnend, Korkenverkäufer; Sie: Mittleres Alter, Single, in Paris wohnend, Buchhändlerin. Nett zu lesen, anspruchslos, aber leider auch nichts berauschendes. Beide sind tief mit den Gedanken ihrer Gefühlswelt beschäftigt. Beide haben Beziehungen hinter sich, die nicht allzu schlecht waren, aber auch nicht dauerhaft gut gegangen wären. Kleine Risse, die nicht ganz verheilen, aber immer schwächer werden.
Wir lernen abwechselnd Robert Bernthaler und Nathalie Cottard kennen. Bis Kapitel 10 (S. 73) passiert auch nichts weiter. Dann aber! Ein Wasserrohrbruch, eine nasse, unbewohnbare Wohnung und eine junge Dame, die nicht weiß wohin nun. Natürlich bietet ihr netter Nachbar – den sie bis dato nicht kannte – ihr ein Plätzchen in seiner Wohnung an. Und natürlich nimmt man ein solches Angebot normalerweise nicht an, aber IN DIESEM FALL

Ja, zur Not, also wenn Sie keine Bleibe auf die Schnelle finden für heute Nacht, notfalls können Sie, das ist kein Problem, auf meinem Gästesofa schlafen…

… schaute sie ihn strahlend an: Wie nett von Ihnen, Monsieur! Obwohl sich das natürlich nicht im Geringsten gehört, gehe ich darauf sofort ein. So lerne ich wenigstens mal wieder einen Nachbarn kennen, Einander nur alle Jubeljahre vor dem Aufzug oder vor der Mülltonne zu sehen und ein paar Worte über das Wetter zu wechseln, das ist doch beschämend, Sie wissen schon, Moloch Großstadt und so.

Ja, so lernt man nette Nachbarn kennen… In Paris, bei einem Wasserrohrbruch.
Jetzt macht sich Robert erst einmal auf den Weg ein paar Flaschen Wein zu besorgen und was zu essen. Schließlich soll es Madame bequem haben im Hause Bernthaler…

Sehr nett ist jedenfalls die beschriebene Atmosphäre, mitten in Paris. Robert hat – wenn er seinen Kopf zur Schräge neigt – einen Blick auf die Kuppel der Basilique du Sacré Coeur. Das Gebäude, in dem er und Nathalie wohnen ist brüchig, aber dafür umso romantischer natürlich. Der kleine Supermarkt um die Ecke fehlt ebenfalls nicht, so dass das Besorgen einer Flasche Wein überhaupt kein Problem darstellt. Schön.

Nun schauen wir mal, wie Nathalie und Robert zueinander finden…