Allgemein


15
Mrz 10

[Allgemein] Reiselektüre…

Es stehen zwei länge Zugfahrten an und ein paar Nächte in Hotelzimmern. Da es sich bekanntlich in Hotelbetten nicht so gut schlafen lässt wie in den eigenen Federn zu Hause, muss entsprechend für Unterhaltung gesorgt werden. Nominierungen gab es genug, geschafft haben es nur ein paar wenige…

Gewonnen und mit auf die Reise dürfen folgende (Hör-)Bücher:

Das aktuelle Buch
[avhamazon locale="DE" asin="3499231654" linktype="pic" picsize="medium"]

Der menschliche Makel – Philip Roth
Die Thematik strengt ein bisschen an. Ich befürchte, dass Buch wird die Tage über sehr wenig gelesen werden. Trotzdem, es ist die aktuelle Lektüre und darf von daher nicht ausgeschlossen werden.

Es ist der Sommer 1998, der Sommer, in dem der amerikanische Präsident wegen einer sexuellen Affäre zum Gegenstand einer Hexenjagd wird. Ähnlich verfolgt von Heuchlern und Parisäern fühlt sich Coleman Silk, Professor für Altphilologie an einer noblen Ostküsten-Universität. Erst bezichtigt man ihn des Rassismus – zwei Wörter genügen, um seine lange, brillante Karriere zuschanden zu machen. Dann setzt es sich eine junge Kollegin in den Kopf, ihn als sexistischen alten Lüstling zu entlarven. Und schließlich wird er bedroht vom Exmann seiner Geliebten – Faunia, halb so alt wie er, arbeitet als Melkerin und Putzfrau und kann zudem weder schreiben noch lesen. Colemans Frau, so glaubt er, haben seine Kollegen auf dem Gewissen, diese rechtschaffenden Saubermänner. Seine Kinder wenden sich empört von ihm ab, weil sie sein Verhältnis zu Faunia nicht billigen können. Der wahre Skandal ist aber ein ganz anderer: Fünfzig Jahre lang hat Coleman das große Geheimnis seines Lebens selbst vor seiner Frau gehütet, und nun, da es aufgedeckt wird, stehen alle Dinge in einem völlig neuen Licht da.

Das aktuelle Zweitbuch
[avhamazon locale="DE" asin="3821860723" linktype="pic" picsize="medium"]

Radio Heimat – Frank Goosen
Die perfekte Wegfahr-Lektüre. Ein paar Seiten bereits angelesen und herzlich gelacht. Die Zugfahrt verspricht unterhaltsam zu werden, wenn’s so weitergeht…

»Woanders is auch scheiße!«

Erfrischend ehrlich, wahrhaft komisch, entwaffnend sentimental – Frank Goosens geschichtensattes Hohelied auf das, was ihm und auch uns allen Heimat ist: die liebenswerte Haut, aus wir nicht mehr können.

Wo sonst auf der Welt wird die fröhliche Begrüßung »Ey, Jupp, du altes Arschloch!« als freundschaftliche und ehrerbietig empfunden? Nirgends, nur entlang der A 40, im Herzen der schönsten deutschen Provinz, die zwar nicht wirklich viel Gegend hat, dafür aber jede Menge skurrile, herzliche, raue, gnadenlos ehrliche Ureinwohner. Denn »es geht um die Menschen«, und von diesen Menschen erzählt Frank Goosen in seinem ganz besonderen, sehr persönlichen Ton. Er fördert Kindheitserinnerungen von Omma und Oppa (die im Bochumer Rathaus wohnten und stadtbekannt waren) zutage, er durchstreift mit Mücke, Pommes und Spüli die Untiefen einer Jugend, er steht an der Seltersbude auf ein Bierchen, leidet und jubelt mit den Fans im Stadion, durchkämmt Schrebergärten und Zechen, Industriebrachen und Einkaufszentren.

Das aktuelle Hörbuch
[avhamazon locale="DE" asin="3257802897" linktype="pic" picsize="medium"]

Der Koch – Martin Suter
Die Hälfte ist bereits gehört, allerdings dürstet es micht nicht unbedingt nach mehr… Ich kann mich derzeit nur den allgemeinen Stimmen anschließen: interessante Themen, die einzeln für eigene Bücher ausgereicht hätten. Bisher wirkt es recht überladen und zusammenhanglos.

Maravan, 33, tamilischer Asylbewerber, arbeitet als Hilfskraft in einem Zürcher Sternelokal, tief unter seinem Niveau, denn Maravan ist ein begnadeter, leidenschaftlicher Koch. In Sri Lanka hatte ihn seine Großtante in die Kochkunst eingeweiht, nicht zuletzt in die Geheimnisse der aphrodisischen Küche. Als er gefeuert wird, ermutigt ihn seine Kollegin Andrea, die von seinen Fähigkeiten weiß, zu einem Deal der besonderen Art: einem gemeinsamen Catering für Liebesmenüs. Anfangs kochen sie für Kunden, die ihnen eine Sexualtherapeutin vermittelt. Doch ihr Erfolg spricht sich herum, und eine weitaus zahlungskräftigere Klientel bekundet Interesse: Männer aus Politik und Wirtschaft – und deren Grauzonen. Maravan hat Sorge, das Geschäft könne unanständig werden. Und das wird es. Doch er benötigt das Geld, um seine Familie in Sri Lanka am Leben zu erhalten.

Ein unterhaltsames Hörbuch
[avhamazon locale="DE" asin="3940530697" linktype="pic" picsize="medium"]

Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe – Gernot Gricksch
Es steht schon seit längerem aus, mal etwas von Gernot Gricksch zu lesen oder zu hören. Ich freue mich auf gute Unterhaltung ohne hohen Anspruch beim Hören.

Robert glaubt nicht an die große Liebe – schon gar nicht, dass man ihr in einer chemischen Reinigung begegnet. Doch genau dort steht der verwöhnte Schnösel plötzlich vor Monika, die sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt und fast zwanzig Jahre älter ist als er. Für Robert steht fest: die oder keine. Monika denkt: Nein danke. Doch ganz so einfach ist es nicht …

Was für den Anspruch
[avhamazon locale="DE" asin="3833721227" linktype="pic" picsize="medium"]

Abendland – Michael Köhlmeier
Ich habe keine Ahnung, was mich hier genau erwartete. Das macht es aber besonders spannend.

Carl Jacob Candoris – Mathematiker, Weltbürger, Dandy und Jazz-Fan – ist fünfundneunzig, als er seine Lebensbeichte ablegt. Aufschreiben soll sie der Schriftsteller Sebastian Lukasser, Sohn des Gitarristen Georg Lukasser, den Candoris in den Jazz-Kellern im Wien der Nachkriegsjahre kennengelernt hat. Candoris erzählt von seinem Großvater, der in Wien einen berühmten Kolonialwarenladen betrieb; von seinen seltsamen Verwandten, bei denen er in Göttingen während seines Studiums lebt und die Größen der Naturwissenschaft kennenlernt; und vom Wien der Nachkriegszeit – wo Sebastians Geschichte beginnt, die Geschichte einer Selbstfindung, die sich über die zweite Hälfte des Jahrhunderts zieht. Im Spiegel zweier ungleicher Familien entsteht so ein kluger, reicher, witziger und lebenssatter Generationenroman über unsere Zeit.

Ebenfalls anspruchsvoll…
[avhamazon locale="DE" asin="3608944001" linktype="pic" picsize="medium"]

Kinder fordern uns heraus – Rudolf Dreikurs
Man würde nicht glauben, dass dieses Buch schon in den sechziger Jahren geschrieben wurde. Ich bin begeistert!

Kinder fordern uns heraus ist ein kompetenter Ratgeber bei ganz konkreten Alltagsproblemen. Anhand von 34 Erziehungsprinzipien werden genervte Eltern und entnervte Lehrer dazu ermutigt, weniger direkten Einfluss auf Kinder und Jugendliche zu nehmen und ihnen mehr Autonomie zuzubilligen. Dem Buch liegen die Auffassungen von Alfred Adler zugrunde, wonach Kinder die Konsequenzen ihres Handelns selbst spüren müssen – je älter sie werden, desto direkter. Im Grunde ganz einfach – könnte man denken.


15
Jan 10

Hörbuch: Das Muschelessen – Birgit Vanderbeke

“Das es an diesem Abend zum Essen Muscheln geben sollte, war weder ein Zeichen noch ein Zufall. Ein wenig ungewöhnlich war es, aber es ist natürlich kein Zeichen gewesen, wie wir hinterher manchmal gesagt haben. Es ist ein ungutes Omen gewesen, haben wir hinterher manchmal gesagt, aber das ist es sicherlich nicht gewesen und auch kein Zufall. Gerade an diesem Tag wollten wir Muscheln essen, ausgerechnet an diesem Abend, haben wir gesagt, aber so ist es wiederum auch nicht gewesen, keinesfalls kann man von Zufall sprechen. “

Vanderbeke Muschelessen

Die wenigen Stunden, die der Familienvater sich verspätet, und während derer die Frau und die beiden jugendlichen Kinder wartend am Abendessenstisch sitzen, genügen, um aus der sorgfältig ausbalancierten Kleinfamilie einen Haufen zersprengter Einzelteile zu machen.
Die drei sitzen vor einem Berg Muscheln, die sich eklig schmatzend öffnen und die eigentlich niemand außer dem Vater gerne ißt, und sie beginnen in dieser unerwarteten Auszeit miteinander zu sprechen. Es entsteht so plötzlich wie überraschend ein Riß in der familiären Scheinidylle. Der Vater wird besichtigt und es bleibt nicht besonders viel übrig von diesem Mann und seiner fragwürdigen väterlichen Autorität.
Birgit Vanderbeke läßt das Labor Familie in die Luft fliegen, sie zieht den Stöpsel, und durch eine kleine Veränderung in der Versuchsanordnung kommen der repressive Mief und der kleinbürgerliche Ehrgeiz, aber auch die versteckte Liebe zutage.

Wow!
Ich bin platt. Und ich bin mir sehr, sehr sicher, dass ich an dieser Geschichte so gar keinen Gefallen gefunden hätte, hätte ich sie in Buchform konsumiert. Das Hörbuch aber, gesprochen selbst von der Autor, vorgelesen, mit der Stimme der Schreibenden und damit auch in ihrem Sinne, hinterlässt einen tiefen und bleibenden Eindruck – bei mir zumindest.

Es gibt zahlreiche gegenläufige Meinungen zu dieser Familiengeschichte. Viele langweilen sich. Das ist sogar verständlich. Die Sätze sind lang, teilweise sehr lang. Und das nicht etwa aufgrund ihres entsprechenden Inhaltes, den sie in sich tragen, nein, sie sind lang, weil der Inhalt sich ständig wiederholt.

Im Grunde ist das, was wir uns vorgestellt hatten, als wir das Muschelessen geplant hatten, im Verhältnis zu dem, was dann daraus geworden ist, von ziemlich geringfügiger Besonderheit, von einer untergeordneten jedenfalls, während das, was dann geworden ist, von erheblicher, ja gewaltiger und außerordentlicher Besonderheit ist, aber keinesfalls kann man sagen, es ist ein Zeichen oder ein Zufall gewesen, dass es an dem Abend Muscheln hat geben sollen, was die Lieblingsspeise von meinem Vater gewesen ist.

Image of Das Muschelessen, 3 Audio-CDs

In Buchform serviert kann das sicherlich recht schnell ermüden. In Hörbuchform aber, mit dem besonderen Etwas der Autorin gelesen, ist es wahrlich ein “Hörknaller”. Die Handlung spitzt sich äußerst schleichend zu. Das Geschehen, aus Sicht der Tochter erzählt, beginnt völlig unspektakulär. Ja, der Vater hat die eine oder andere Macke, aber herrje, welcher Vater hat die nicht. Gerade unsere Familienoberhäupter sind ja für ihre “Diva-Allüren” bekannt. Das sich hinter diesem Vater aber ein verabscheungswürdiger Mensch verbirgt, kommt aus den Rückblenden der Tochter erst langsam ans Tageslicht. Dabei legt sie, vor allem zu Beginn der Geschichte, großen Wert darauf eine Art neutrale Haltung gegenüber dem Familiengeschehen einzunehmen. Diese Haltung relativiert sich natürlich zunehmend im Laufe der Geschichte bis hin zum Ende, wenn davon gesprochen, sich das nicht mehr bieten zu lassen.

Der Spiegel schrieb zu diesem Titel:

“Am Ende wandert mit den ungegessenen Muscheln ein ideologischer Grundpfeiler des Bürgertums auf den Müll: die Idee der Familie.”

Die Aussage wirkt ein wenig pathetisch – Birgit Vanderbeks Story übrigens auch an einigen Stellen. Den Kerngedanken jedoch trifft sie auf den Punkt.

Fazit
Literatur vom Feinsten! Birgit Vanderbeke entwirft ein ausdrucksstarkes Bild, mit Fokus auf die Fassaden eines Familienlebens, über das es sich lohnt nachzudenken. Ein Hörbuch, das ich in sehr guter Erinnerung behalten werden.
Und eines steht fest: Nach der Lektüre dieser Geschichte dürfte jeder den Unterschied zwischen notwendig und hinreichend nicht nur im Ansatz verstanden haben.


Das Muschelessen
Birgit Vanderbeke
ungekürzte Autorenlesung,
170 min., Audiobuch Hamburg


Weitere Bücher von Birgit Vanderbeke

Friedliche Zeiten
Price: EUR 6,95

67 used & new available from EUR 2,92

Gut genug
Price: EUR 6,90

99 used & new available from EUR 0,56

Ich will meinen Mord
Price: EUR 7,90

73 used & new available from EUR 0,50

Geld oder Leben
Price: EUR 7,90

175 used & new available from EUR 0,10

Ich sehe was, was du nicht siehst
Price: EUR 7,95

98 used & new available from EUR 0,88

Die sonderbare Karriere der Frau Choi
Price: EUR 8,95

82 used & new available from EUR 2,70

Alberta empfängt einen Liebhaber
Price: EUR 7,95

142 used & new available from EUR 0,10


9
Jan 10

Hörbuch: Also… – Elke Heidenreich

Die besten Kolumnen aus der Brigitte
Spieldauer 79 min.

Also Heidenreich

17 Jahre lang begeisterte Elke Heidenreich Woche für Woche unzählige Brigitte-Leserinnen mit ihrer legendären Kolumne Also …
Ausgewählt und vorgelesen von Heidenreich selbst, sind 25 ihrer besten Kolumnen nun auch zu hören.

»Also …« – mit diesem Wörtchen fangen alle Brigitte-Kolumnen von Elke Heidenreich an. Schonungslos nimmt sie darin die großen und kleinen Dinge des Alltags unter die Lupe, und weil Heidenreich wie kaum jemand weiß, wo im Alltag der Schuh drückt, trifft sie mit ihren eigenwilligen Analysen ein ums andere Mal ins Schwarze.
Ebenso einfühlsam wie maliziös schreibt sie etwa über feine Damen in feinen Parfümerien, über Frauen zwischen Literatur und Fensterputz, über ihren Ausleih-Mann, über ihr Bettenleben, über die Qualen bei einem Badeanzugkauf im Spätwinter, über Tage, an denen sich alle und alles gegen einen verschwören, über geheimnisvolle Zettel, die man selbst geschrieben hat und nicht mehr versteht, über die Tücken von ausgeliehenen Autos, über die kosmetische Geheimsprache, über Männer beim Einkaufen, über die ewige Baustelle Liebe, über nervige und – nicht zuletzt – über nette Mitmenschen. Natürlich nimmt sie bei alledem kein Blatt vor den Mund, und natürlich könnte niemand diese Texte besser vortragen als – Elke Heidenreich selbst.

Kurzweilig und unterhaltsam
Was gibt es besseres, als beim Bügeln oder Hausputz oder auch im lästigen Stau gut unterhalten zu werden? Zur Zeit dieser Tätigkeiten selbst wohl nicht viel… Also… ist dafür eine gute Wahl. Frau Heidenreichs Kolumnen sind amüsante Alltagsbeobachtungen, sehr unterhaltsam und vor allem sehr treffend zusammen gefasst. Ob’s nun um den “Ausleihmann” geht, der eigene Ehemann, der ständig für sämtliche Arbeiten der Freundinen/Verwandten/Bekannten ausgeliehen werden muss und mit Dank zurückgegeben wird, oder um die Tage, an den denen alles schief läuft.

Frau Heidenreich hat eine selten gute Begabung Trivialitäten des Alltags detailgetreu wiederzugeben, so dass der Wiedererkennungseffekt mit der eigenen Person mitunter recht hoch ist.

Da ich die Kolumnen von Frau Heidenreich nicht aus der Zeitschrift kannte, hatte ich keine konkrete Vorstellung davon, was mich dabei erwartet. Leztendlich muss ich sagen, kamen diese Kolumnen jedoch weit weniger “bissig” daher, als ich vermutet hatte. Schade…

Fazit
Ein (leider) kurzweiliges, unterhaltsames und kluges Hörvergnügen. Gut zum Wiederhören geeignet!